Gehalt

Ausbildungsvergütung

Jedes Unternehmen muss seinen Auszubildenden eine angemessene monatliche Ausbildungsvergütung zahlen, deren Höhe sich in den meisten Fällen nach den jeweiligen Tarifverträgen richtet.

Welche Ausbildungsvergütung ist für Bürokauffrau / Bürokaufmann angemessen?

Die Vergütung ist nach dem Lebensalter der Auszubildenden so bemessen, dass sie angemessen ist und mit fortschreitender Berufsausbildung, mindestens jährlich, ansteigt.

Werden den Auszubildenden Sachleistungen (z.B. Kost und Wohnung) auf die Vergütung angerechnet, müssen in jedem Fall mindestens 25 v.H. der festgelegten Gesamtvergütung anrechnungsfrei bleiben.

Wann wird die Ausbildungsvergütung ausgezahlt?

Die Vergütung für den laufenden Kalendermonat wird spätestens am letzten Arbeitstag des Monats fällig.

Wenn eine allgemein verbindliche Tarifregelung vorliegt, dürfen im Ausbildungsvertrag keine niedrigeren Vergütungssätze vereinbart sein.

Verschiedene Branchen – verschiedene Vergütungen

Es wird stets die Vergütung der Branche angewendet in der die Ausbildung stattfindet. Lernt z.B. ein Bürokaufmann / eine Bürokauffrau in einer Bank gilt die „Bankvergütung“ lernt er / sie in einem Gastronomieunternehmen gilt die „Gastronomievergütung“ u.s.w. Diese Regelung ist bei allen Berufen anzuwenden die in einer anderen als der berufsspezifischen Branche lernen. Auch viele Handelsunternehmen bilden in Ihren Verwaltungen zur Bürokauffrau aus. Die Bürokaufleute werden dann nach Tarifvertrag bezahlt und erhalten dieselbe Ausbildungsvergütung wie Auszubildende zur Einzelhandelskauffrau.

Eine über die vereinbarte regelmäßige tägliche Ausbildungszeit hinausgehende Beschäftigung ist gesondert zu vergüten. Auch diese Vergütung soll angemessen sein. Statt der Überstundenvergütung kann auch Freizeitausgleich gewährt werden. Für Sonn- und Feiertagsarbeit, die Jugendliche in bestimmten Wirtschaftszweigen verrichten dürfen, wird in bestimmtem Umfang Freizeit gewährt.

Den Auszubildenden wird die Vergütung bis zur Dauer von sechs Wochen weiter gezahlt, wenn z.B. eine unverschuldete Krankheit vorliegt.

Berufsausbildungsbeihilfe

Auszubildende können unter bestimmten Voraussetzungen Berufsausbildungsbeihilfe nach dem Sozialgesetzbuch III, von der Arbeitsagentur erhalten. Die Beihilfe wird gewährt, soweit die für die Ausbildung erforderlichen Mittel nicht anderweitig zur Verfügung stehen. Die Höhe der Beihilfe richtet sich sowohl nach dem Nettoeinkommen der Eltern als auch nach dem der Auszubildenden.

Da die Ausbildungsvergütung mit jedem Ausbildungsjahr steigen muss, sind Auszubildende am Anfang der Ausbildung verglichen mit ihrer Arbeitsleistung im Betrieb überbezahlt. Im letzten Ausbildungsjahr sind sie dahingegen unterbezahlt, da sie bereits nahezu vollwertige Angestellte sind, was ihre Arbeitsleistung betrifft, sie aber deutlich weniger verdienen als die kaufmännischen Angestellten.

Im Jahr 2005 betrug die durchschnittliche tarifliche Ausbildungsvergütung im Bereich

Industrie und Handel

637 € im 1. Ausbildungsjahr

696 € im 2. Ausbildungsjahr

763 € im 3. Ausbildungsjahr

Im Bereich Handwerk fällt die Ausbildungsvergütung dahingegen sehr viel geringer aus.

476 € im 1. Ausbildungsjahr

557 € im 2. Ausbildungsjahr

655 € im 3. Ausbildungsjahr

Höhe der Vergütung bei Abkürzung der Ausbildungszeit

Ein Auszubildender, dem auf Grund von Anrechnungsverordnungen der erfolgreiche Besuch eines Berufsgrundbildungsjahres oder einer Berufsfachschule (Handelsschule, nicht Höhere Handelsschule) auf die Ausbildungszeit ein ganzes Jahr angerechnet wird, muss sofort die für das zweite Ausbildungsjahr vorgesehene Vergütung erhalten, weil bestimmte Ausbildungsinhalte bereits während der Schulzeit vermittelt worden sind (Bundesarbeitsgericht).

Wird ein halbes Jahr angerechnet, so ist für die ersten sechs Monate der betrieblichen Ausbildung die Vergütung für das erste Ausbildungsjahr, ab Beginn des siebenten Monats die Vergütung für das zweite Ausbildungsjahr zu zahlen. Wird die Ausbildungszeit aus anderen Gründen (Abitur) auf 2,5 oder 2 Jahre gekürzt, e ändert sich der Ausbildungsinhalt nicht. Dem Auszubildenden müssen sämtliche Ausbildungsinhalte nur schneller vermittelt werden, die Abkürzung führt deshalb nicht zu einem früheren Anspruch auf eine höhere Ausbildungsvergütung. Der Ausbildungsvertrag kann eine für den Auszubildenden günstigere Regelung der Vergütung vorsehen, bei 2,5 Jahren Vertragsdauer z.B. die Steigerung der Vergütung im 10-Monats-Rhythmus.

Bei vorzeitiger Zulassung zur Abschlussprüfung wird die Vergütung bis zum letzten Tag in der vorgesehenen Höhe abgerechnet.

Überstundenvergütung / Freizeitausgleich

§ 10 Abs. 3 BBiG bestimmt, dass eine über die vereinbarte regelmäßige tägliche Ausbildungszeit hinausgehende Beschäftigung besonders zu vergüten ist. Die Vergütung für Überstunden richtet sich mindestens nach der durchschnittlichen Stundenvergütung des Auszubildenden (ausrechnen!), kann aber auch höher liegen. Diese zusätzliche Beschäftigungszeit kann auch durch entsprechende Freizeit ausgeglichen werden.

Inhalt des Ausbildungsvertrages ist ja Vermittlung und Erwerb von Kenntnissen, die in der vorgesehenen Zeit ohne Überstunden vermittelt werden müssen. Bei Überstunden kann es sich es sich um Tätigkeiten im Rahmen der Ausbildung handeln, die durch Freizeit ausgeglichen werden, oder um zusätzliche Arbeiten, die Arbeitsleistungen in einem Arbeitsverhältnis sind, also mit Lernen nichts zu tun haben und sonst von Steuerfachangestellten zu erledigen wären. Hier ist die Vergütung unabhängig vom Ausbildungsverhältnis festzusetzen.

Ob überhaupt Überstunden gemacht werden, ist schwierig zu bestimmen wegen der Anrechnung der Berufsschulzeiten. Aber wenn sich Chef und Azubi einig sind, dass es Überstunden sind, müssen sie auch bezahlt/ausgeglichen werden.

Entgeltfortzahlung

Wenn der Auszubildende infolge einer unverschuldeten Krankheit, einer Maßnahme der medizinischen Vorsorge oder Rehabilitation, einer Sterilisation oder eines Schwangerschaftsabbruchs nicht an der Ausbildung teilnehmen kann, hat er Anspruch auf Entgeltfortzahlung (näheres später bei „Entgeltfortzahlung“).

Verjährung von Lohnansprüchen

Es gilt eine einheitliche Verjährungsfrist für praktisch alle Ansprüche des Arbeitgebers und des Arbeitnehmers aus dem Arbeitsverhältnis.

Sie beträgt drei Jahre ab dem Schluß des Kalenderjahres, in dem der Anspruch entstanden ist und der Anspruchsinhaber von den maßgeblichen Umständen Kenntnis erlangte oder ohne grobe Fahrlässigkeit hätte erlangen müssen.

Arbeits/Ausbildungsverträge sehen häufig kürzere vertragliche Fristen vor. Wer bei der Geltendmachung seines Anspruchs die für dieses Arbeitsverhältnis geltende Frist überschreitet, verliert alle Ansprüche.

Schadenersatz bei Auflösung eines Ausbildungsvertrages

Sowohl der Ausbildende als auch der Auszubildende können Schadenersatz verlangen, wenn der Vertragspartner den Grund für die Auflösung des Ausbildungsverhältnisses nach der Probezeit zu vertreten hat.

Ein Schadenersatzanspruch besteht nicht, wenn das Ausbildungsverhältnis vor, während oder mit Ablauf der Probezeit beendet wird oder wenn der Auszubildende kündigt, weil er die Ausbildung aufgibt (Berufsaufgabekündigung). Der Schadenersatzanspruch setzt voraus, dass der jeweils andere vorsätzlich oder fahrlässig die Auflösung des Vertrages herbeigeführt hat. Der Anspruch erlischt, wenn er nicht innerhalb von 3 Monaten nach der Beendigung des Berufsausbildungsverhältnisses geltend gemacht wird (s. Vertrag!).

Tarifbindung

Unternehmen können nach einer Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts gewerkschaftlich nicht organisierte Auszubildende untertariflich bezahlen. Dies gelte jedenfalls dann, wenn der betreffende Tarifvertrag nicht allgemein verbindlich sei. Das Gericht gab damit einem Unternehmen Recht, das Lehrstellen „über den Bedarf hinaus“ schaffen wollte. Schon in der Stellenanzeige war die untertarifliche Bezahlung klar gestellt. Eingestellt wurden ausschließlich junge Leute, die nicht Mitglied einer Gewerkschaft waren und sich mit der Vergütung einverstanden erklärten. Der Betriebsrat hatte die Zustimmung verweigert.

Branche: 1. Ausbj. 2. Ausbj. 3. Ausbj. 4. Ausbj. Stand:
Architekten/ Bauzeichner 500,- 580,- 650,-    
Banken 717,00 775,00 831,00    
Bau – kaufm. 549,00 765,00 999,00    
Bau – gewerbl. 524,53 813,57 1027,64 1155,98  
Bekleidungsind. >18 425,39 437,32 535,83    
Bekleidungsind.<18 445,34 491,35 577,25    
Chemische Industrie 607,00 665,00 738,00 805,00  
Dienstleistungsberufe 518,00 573,00 654,00    
Druckindustrie 762,54 813,67 864,80    
Reprograf. Gewerbe 454,03 505,16 556,29 607,41  
Einzelhandel 605,00 663,00 757,00 818,00  
Eisen-Metall- Elektro 685,00 726,00 782,00 811,00  
Floristen 325,00 446,00 499,00    
Gebäudereiniger 513,00 615,00 718,00   ab 01.01.2005
Groß-, Außenhandel 640,00 700,00 789,00 843,00  
Hauswirtschaft 605,00 660,00 705,00    
Holz- u. Kunstst. Ind. 508,74 534,30 585,43 639,11  
Hotel- u. Gaststätten 577,00 641,00 713,00   ab 01.01.2006
Immobilienwirtschaft 640,00 750,00 860,00   ab 01.01.2006
Immobilienwirtschaft 655,00 765,00 875,00   ab 01.08.2006
IT-Berufe-Allgemein 550,00 600,00 650,00    
Kfz-Gewerbe 525,00

535,00

570,00

580,00

655,00

665,00

700,00

710,00

ab 01.03.2006

ab 01.03.2007

Mediengestalter 562,42 613,55 664,68    
Nahrungsmittel-ind. 566,51 592,07 718,87 741,34  
Öffentlicher Dienst 617,34 666,15 710,33 740,07 ab 2004
Papier- u. Pappe Ind. 529,70 580,83 631,96 683,09  
Reisebürogewerbe 479,00 580,00 710,00    
Reisebürogewerbe 512,00 619,00 759,00   ab 01.Juli 2006
Speditionsgewerbe 540,00 578,00 608,00    
Tankstellengewerbe 397,00 447,00 502,00    
Textil-Industrie s. Bekl.Ind. s. Bekl.Ind. s. Bekl.Ind. s. Bekl.Ind.  
Textilreinigungsgew. 410,57 470,39 552,20    
Veranstaltungskaufmann 535,00 590,00 645,00    
Versicherungen 724,00 805,00 876,00    
Versicherungswirtschaft 740,00 813,00 885,00   ab 01.04.2006
Versicherungswirtschaft 744,00 817,00 889,00   ab 01.04.2007
Versicherungsvermittler 621,00 674,00 738,00    
Wärme-Klimatechnik 492,88 519,98 552,71 595,65  
Werbekaufmann 562,42 613,55 664,68    
Zeitarbeit 620,00 650,00 690,00 750,00  

Quelle: IHK Frankfurt am Main / Stand: Juni 2006